Die Antwort vorweg: Nein, auf HDMI 2.2 muss man beim Monitorkauf nicht unbedingt warten.
Wieso – das erkläre ich schlicht:
- es gibt noch keine HDMI 2.2-Monitore (erwartet für 2027)
- und wenn es passende Bildschirme gäbe – keine erhältliche Grafikkarte könnte sie mit HDMI 2.2 ansteuern.
Trotzdem lohnt ein genauer Blick auf den neuen Standard. Denn wer versteht, was mit dem Label Ultra96 auf die Gaming-Szene zukommt, weiß, wohin die Zukunft zeigt.
Der Artikel erklärt, warum ein Warten auf HDMI 2.2 beim Monitorkauf 2026 nicht sinnvoll ist. Weder Monitore noch Fernseher mit HDMI 2.2 sind verfügbar, und auch keine aktuelle Grafikkarte oder Konsole kann den Standard ansteuern, da er neue Hardware-Chips voraussetzt. Betroffen sind vor allem Gamer und Käufer, die auf 4K mit hohen Bildraten oder 8K setzen. Als zukunftssichere Alternative wird DisplayPort 2.1 mit UHBR20 empfohlen, das schon heute vergleichbare Bandbreiten liefert. Zudem warnt der Beitrag davor, sich allein auf Label wie „Ultra96“ zu verlassen, da diese keine feste Bandbreite garantieren.
- HDMI 2.2 wird erst ab 2027 in Geräten erwartet, da passende Grafikkarten-Chips fehlen.
- Keine aktuelle Grafikkarte oder Konsole unterstützt HDMI 2.2, und ein Nachrüsten per Treiber ist unmöglich.
- DisplayPort 2.1 in der Stufe UHBR20 bietet schon heute unkomprimiertes 4K bei 240 Hz.
- Das Label „Ultra96“ garantiert nicht automatisch 96 Gbit/s, da auch 64 oder 80 Gbit/s erlaubt sind.
- Für Konsolenspieler und aktuelle PC-Gamer bringt HDMI 2.2 derzeit keinen praktischen Vorteil.
Gibt es schon Geräte mit HDMI 2.2?
Kurz gesagt: nein.
Weder bei Monitoren noch bei Fernsehern ist Stand September 2026 ein Gerät mit ausgewiesenem HDMI 2.2-Anschluss angekündigt oder erhältlich.
Der eigentliche Engpass liegt aber woanders, und er wird gern übersehen – bei den Grafikkarten.
Nvidias RTX-50-Serie bleibt bei HDMI 2.1b mit maximal 48 Gbit/s. Zu AMDs kommender Generation kursieren Gerüchte über HDMI 2.2, die allerdings von 64 oder 80 Gbit/s sprechen statt von den vollen 96 – bestätigt ist davon nichts.
Wichtig zu wissen – HDMI 2.2 wird es niemals als Treiber-Upgrade für ältere Grafikkarten geben. Die Schnittstelle erfordert auch Hardware-Komponenten und kann deshalb nur in künftigen Grafikkarten-Generationen kommen.
RTX 5090 mit HDMI 2.2 – das ist also unmöglich.
Die notwendigen Chips werden bereits entwickelt. Jedoch ist die Cash Cow gerade bei Nvidia KI im Rechenzentrum und zunehmend auch Inferenz. Das Consumer-Segment hinkt hinterher und die RTX 60-Generation wird erst 2028 erwartet.
Auch eine PlayStation 6 oder künftige Xbox mit HDMI 2.2 sind nicht bestätigt.
So gilt – fehlende Input-Signale dürften auch ein schnelles Release von HDMI 2.2-Monitoren ausbremsen.
HDMI 2.1 gegen HDMI 2.2 – was sich ändert
Auflösungen – 8K @ 60 Hz, 4K @ 240 Hz
Das Marketing rückt „16K“, „8K @ 60Hz“ oder „96 Gbit/s“ in den Mittelpunkt.
Das ist für Gamer und andere User derzeit wenig interessant, sondern eher ein Blick in die Zukunft.
Interessanter ist jedoch – wo HDMI 2.1 das Bild komprimieren muss, überträgt HDMI 2.2 es unkomprimiert.
| Signalmodus | HDMI 2.1 (48 Gbit/s) | HDMI 2.2 (96 Gbit/s) |
|---|---|---|
| 4K / 120 Hz, 10 Bit, 4:4:4 | ohne Kompression | ohne Kompression |
| 4K / 144 Hz, 10 Bit, 4:4:4 | grenzwertig | ohne Kompression |
| 4K / 240 Hz, 10 Bit, 4:4:4 | nur mit DSC | ohne Kompression |
| 4K / 240 Hz, 12 Bit, 4:4:4 | nur mit DSC | ohne Kompression |
| 8K / 60 Hz, 10 Bit, 4:4:4 | nur mit DSC | ohne Kompression |
| Kabel | Ultra High Speed | Ultra96 |
Darüber hinaus nennt der Standard 4K mit 480 Hz und 8K mit 240 Hz – allerdings in komprimiert mit DSC. Auflösungen bis 16K sind vorgesehen, spielen für Monitore aber auf absehbare Zeit keine Rolle.
Praktisch heißt das: HDMI 2.2 beseitigt DSC dort, wo HDMI 2.1 darauf angewiesen ist. DSC gilt als visuell nahezu verlustfrei, ist aber eben doch eine Kompression.
Latency Indication Protocol – kein Gaming-Feature
Neu in HDMI 2.2 ist das Latency Indication Protocol, kurz LIP. Der Name legt einen Vorteil beim Spielen nahe, doch darum geht es nicht.
LIP übermittelt Informationen über die Signalverzögerung innerhalb der HDMI-Kette. Gemeint ist der Fall, dass Bild und Ton unterschiedliche Wege nehmen – etwa von der Quelle über einen AV-Receiver oder eine Soundbar zum Fernseher.
Da geht es also um das Home Cinema, nicht um Gaming.
Das Ziel ist Lippensynchronität, nicht Reaktionsgeschwindigkeit. Ein Spiel wird durch LIP also nicht flüssiger oder direkter – dafür sind weiterhin VRR, ALLM und QFT zuständig.
Man darf nicht vergessen, das HDMI ursprünglich ein Home Entertainment-Standard ist, der sich erst später auch für Gaming einen Namen gemacht hat.
Damit LIP wirkt, müssen außerdem alle beteiligten Geräte es unterstützen. Ein einzelner HDMI 2.2-Anschluss in der Kette genügt nicht – womit wir wieder beim Thema Hardware und Verfügbarkeit sind.
Ultra96 – HDMI 2.2 garantiert keine 96 Gbit/s
Ultra96 bzw. 96 Gbit/s gehört ebenfalls zum Marketing-Arsenal.
Doch es ist wichtig zu wissen, dass das eine „bis zu“-Angabe ist.
Das HDMI Forum erlaubt unter dem neuen Label Ultra96 Geräte mit 64, 80 oder 96 Gbit/s. Alle drei dürfen „HDMI 2.2″ auf der Verpackung tragen.
Ein Monitor mit HDMI 2.2-Anschluss muss die vollen 96 Gbit/s also nicht bieten – und ein Hersteller, der nur 64 Gbit/s verbaut, macht damit trotzdem keine Falschangabe.
Ähnliches kennen wir auch schon von den Monitoren mit HDMI 2.1.
Auf die Bandbreite im Datenblatt achten, nicht auf das Label. Gesucht wird eine konkrete Angabe in Gbit/s.
Die Signaltabelle prüfen: Welche Auflösung schafft der Anschluss bei welcher Bildrate, Farbtiefe und Farbabtastung – und ab wann greift DSC?
Bei Kabeln hilft die Zertifizierung. Ultra96-Kabel sind zertifizierungspflichtig und tragen einen QR-Code, der sich mit der offiziellen HDMI-App prüfen lässt.
Warum HDMI 2.2 überhaupt gebraucht wird
Die Frage liegt nahe: Wenn HDMI 2.1 für aktuelle Monitore reicht, wozu dann ein neuer Standard?
Die Antwort liefern die Panels selbst. Sie sind der Schnittstelle teilweise enteilt.
Ein Beispiel ist der Nachfolger des Samsungs Odyssey OLED G8 (gelistet bei Amazon).
Samsung hat auf der Gamescom 2026 ein neues Modell G80JS gezeigt. Der Bildschirm fährt 4K nativ mit 360 Hz. Dank Triple-Mode-Betrieb werden auch QHD mit 520 Hz und FHD mit 680 Hz unterstützt.
Im Inneren arbeitet ein QD-OLED der fünften Generation mit Penta-Tandem-Aufbau. Angebunden wird das Ganze über DisplayPort 2.1 – nicht über HDMI 2.2, denn das gibt es ja noch nicht.
Genau diese Lücke soll HDMI 2.2 schließen. Die Paneltechnik entwickelt sich derzeit schneller als die Anschlüsse, über die sie angesteuert wird.
Wer 2026 kauft, kauft DisplayPort 2.1 – aber richtig
Für alle, die nicht bis 2027 warten wollen, und z.B. 4K @ 240 Hz zeitnah realisieren wollen, gibt es bereits heute die zukunftssicherere Option.
Diese heißt nicht HDMI, sondern DisplayPort 2.1.
DisplayPort 2.1 erreicht bis zu 80 Gbit/s und liegt damit deutlich über den 48 Gbit/s von HDMI 2.1. Das reicht für 4K mit 240 Hz ohne Kompression – also für genau den Bereich, für den HDMI 2.2 entwickelt wird.
Mit anderen Worten: Vieles von dem was HDMI erst 2027 liefert, ist über DisplayPort schon jetzt zu haben.
Allerdings gilt hier dieselbe Vorsicht wie bei HDMI, und das wird beim Kauf gern übersehen. „DisplayPort 2.1“ allein sagt nämlich ebenfalls wenig aus.
| Ausbaustufe | Bandbreite | Kabel-Label | Bedeutung in der Praxis |
|---|---|---|---|
| UHBR10 | 40 Gbit/s | DP40 | Pflichtstufe – liegt unter HDMI 2.1 |
| UHBR13.5 | 54 Gbit/s | DP54 | optional, unkomprimiert etwa bis 4K mit ≈ 187 Hz |
| UHBR20 | 80 Gbit/s | DP80 | optional, Schwelle für 4K / 240 Hz ohne Kompression |
Wer heute zukunftssicher kaufen möchte, achtet also nicht nur auf „DisplayPort 2.1“, sondern auf UHBR20 beziehungsweise ein Kabel mit dem Label DP80.
Ein Monitor mit DisplayPort 2.1 in der Pflichtstufe UHBR10 bietet mit 40 Gbit/s sogar weniger als ein guter HDMI 2.1-Anschluss.
Welche Bildschirme die höheren Ausbaustufen tatsächlich mitbringen und worauf bei der Auswahl sonst noch zu achten ist, steht im Überblick zu Monitoren mit DisplayPort 2.1.
Wichtig zu wissen ist: Weder „HDMI 2.1“ noch „HDMI 2.2“ noch „DisplayPort 2.1“ sagen für sich genommen etwas darüber aus, wie viel Bandbreite der Anschluss hat. Die Zahl im Datenblatt ist die einzige verlässliche Angabe – alles andere ist Verpackung.
Patrick Woessner, Autor bei Tech Junkies
Für wen lohnt sich das Warten?
Die Antwort fällt je nach Einsatzzweck unterschiedlich aus.
- Konsolen: Hier bringt HDMI 2.2 nichts. PlayStation 5, PlayStation 5 Pro und Xbox Series X sowie Series S sind alle auf HDMI 2.1 mit maximal 48 Gbit/s ausgelegt.
- PC-Gaming heute: Ebenfalls kein Grund zu warten. Die aktuelle Grafikkartengeneration kann HDMI 2.2 gar nicht ansteuern, und bei hohen Auflösungen mit hohen Bildraten ist ohnehin meist die Rechenleistung der Flaschenhals.
- Langfristiger Kauf: Der einzige Fall, in dem Abwarten zur Debatte steht – konkret bei 4K mit 240 Hz ohne Kompression. Wer diesen Anspruch hat, fährt mit DisplayPort 2.1 in der Stufe UHBR20 aber schon heute gut.
- Heimkino und 8K: Der klarste Gewinn von HDMI 2.2, weil 8K mit 60 Hz und voller Farbabtastung unkomprimiert möglich wird.
Wer in Richtung 8K plant, darf 2027 also im Blick behalten – Details zur Auflösung selbst stehen im Ratgeber zu 8K-Monitoren.
Ultra96-Kabel – Längen und Grenzen
Für HDMI 2.2 werden neue Kabel nötig.
Die Kabel heißen Ultra96 und nicht etwa „HDMI 2.2-Kabel“ – der Name beschreibt das Kabel, nicht die Version.
Eine pauschale Höchstlänge gibt es nicht. HDMI zertifiziert Kabel modell- und längenbezogen, eine Freigabe für einen Meter gilt also nicht automatisch für drei.
Als grobe Orientierung für die vollen 96 Gbit/s: Bis etwa anderthalb bis zwei Meter sind passive Kupferkabel unkritisch. Um drei Meter herum kommt es darauf an, ob genau diese Länge geprüft wurde.
Für längere Strecken kämen aktive Kupfer- oder Hybrid-Glasfaserkabel in Frage.
Häufige Fragen zu HDMI 2.2
Wann kommt HDMI 2.2?
Die Spezifikation ist seit 2025 fertig, die ersten Geräte werden für 2027 erwartet. Der Engpass sind nicht die Bildschirme, sondern die nötigen neuen Chips – erste Exemplare werden derzeit bemustert. Stand September 2026 ist weder ein Monitor noch ein Fernseher mit HDMI 2.2 angekündigt.
Welche HDMI-Version ist aktuell die neueste?
HDMI 2.2 ist die neueste veröffentlichte Spezifikation. In Geräten steckt aber weiterhin HDMI 2.1 (teilweise auch noch älter) – die neueste Spezifikation und der neueste erhältliche Anschluss sind derzeit also nicht dasselbe.
Brauche ich für HDMI 2.2 ein neues Kabel?
Ja. Für die vollen Bandbreiten sind Ultra96-Kabel vorgesehen, die zertifizierungspflichtig sind und sich per QR-Code mit der offiziellen HDMI-App prüfen lassen. Bestehende Ultra-High-Speed-Kabel bleiben für HDMI 2.1 nutzbar, reichen aber nicht an die neuen Höchstwerte heran.
Kann meine Grafikkarte HDMI 2.2?
Nein. Und ich muss nichtmal nach der Grafikkarte fragen. Keine derzeit erhältliche Grafikkarte unterstützt HDMI 2.2. Nvidias RTX-50-Serie bleibt bei HDMI 2.1b mit maximal 48 Gbit/s, zu AMDs kommender Generation gibt es lediglich unbestätigte Gerüchte. Nachrüsten lässt sich das nicht, weil HDMI 2.2 neue Sender- und Empfängerchips voraussetzt und kein reines Software-Thema ist.
Lohnt sich HDMI 2.2 für die PlayStation 5 oder Xbox Series X?
Nein. PlayStation 5, PlayStation 5 Pro sowie Xbox Series X und Series S sind auf HDMI 2.1 mit maximal 48 Gbit/s ausgelegt. Ein Monitor mit HDMI 2.2 würde an diesen Konsolen keinen Vorteil bringen.
Fazit
HDMI 2.2 ist ein sinnvoller Schritt, aber 2026 noch keine Kaufentscheidung. Die Spezifikation steht, die Hardware fehlt – auf beiden Seiten (Bildschirme und Grafikkarten bzw. Konsolen).
Wer jetzt einen Monitor sucht, kauft ohne schlechtes Gewissen HDMI 2.1 und achtet für die Zukunftssicherheit auf DisplayPort 2.1 mit UHBR20.
Und wenn 2027 die ersten Geräte mit Ultra96-Aufkleber erscheinen -erst ins Datenblatt schauen, dann aufs Label.
