Gebühren direkt am Geldautomaten - die sog. Fremdgebühren
FinTech

Gebühr direkt am Geldautomat – die leidigen Fremdgebühren

Bild: Depositphotos / denisismagilov

Fremdgebühren können im Inland und im Ausland bei einer Abhebung am Geldautomaten anfallen.

Bankkunden sind häufig überrascht – die Bank bewirbt das Girokonto z.B. mit „weltweit kostenlos Geld an Automaten abheben“ oder „kostenlos Geld abheben – fast überall“, bei der Abhebung fällt dann aber doch eine Gebühr an.

Denn bei Fremdgebühren handelt es sich um eine Geldautomatenbetreiber-Gebühr (auch „direktes Kundenentgelt“ genannt), die direkt der Betreiber des jeweiligen Geldautomaten erhebt.

Die eigene Bank hat damit also erstmal nichts zu tun.

Und nicht nur mir geht es so: Immer sieht man den leidigen Bildschirm. Nach Eingabe des Abhebebetrags und der Eingabe der PIN wird (hoffentlich klar und deutlich) auf die Fremdgebühr hingewiesen.

Lehnt der Kartennutzer dann die Gebühr ab, wird die Transaktion abgebrochen. Akzeptiert der Nutzer die Gebühr, wird sie direkt auf den Abhebebetrag aufgeschlagen.

Fremdgebühren – mittlerweile fast überall zu finden

Vor Fremdgebühren schützt kaum eine Kreditkarte oder Debit-Karte

Fremdgebühren werden direkt vom Geldautomatenbetreiber erhoben und auf den Abhebebetrag aufgeschlagen.

Mit der eigenen Bank hat das nur bedingt etwas zu tun.

Was sind eigentlich Fremdgebühren?

Fremdgebühren bei der Abhebung am Geldautomaten sind auch unter anderen Begriffen bekannt – z.B. direktes Kundenentgelt, Geldautomatenbetreiber-Entgelt oder auch schlichtweg Geldautomaten-Gebühr.

Der Begriff Fremdgebühren ist aber eigentlich der passendste.

Man kann es von drei Seiten aus betrachten:

  • Für den Betreiber des Geldautomaten ist es eine Gebühr, die er für Kunden einer fremden Bank erhebt.
  • Für die Bank des Kunden ist es eine fremde Gebühr, die vom Betreiber des Geldautomaten durchgereicht wird.
  • Und der Bankkunde hebt an einem Geldautomaten einer fremden Bank ab.

Wie hoch die Fremdgebühren ausfallen, das kann ganz unterschiedlich sein. Eher glimpflich kommt man mit 2,- € davon, im Ausland sind aber teilweise deutlich mehr üblich.

Zu beachten ist, dass Fremdgebühren zusätzlich zu den Gebühren für Bargeldabhebungen der eigenen Bank laut Preis- und Leistungsverzeichnis anfallen können.

Im schlechtesten Fall zahlt man also doppelt für eine Abhebung. Deshalb ist es so wichtig, sich im Vorfeld entsprechend zu informieren.

Früher gab es einige Banken, die Fremdgebühren erstattet haben. Das prominenteste Beispiel in Deutschland dafür war wohl die DKB.

Mittlerweile kenne ich jedoch kein gängiges Bankprodukt mehr, dass kostenlose Abhebungen inklusive Erstattung etwaiger Fremdgebühren anbietet.

Nur eine kleine Ausnahme ist mir noch bekannt.

In dem beliebten Urlaubsland Spanien sind die Geldautomaten-Gebühren mittlerweile weit verbreitet – siehe z.B. Geld abheben in Spanien.

Die Neo-Bank N26 aus Deutschland hat speziell für Spanien (und wirklich nur für Spanien) eine Rückerstattungsregelung der Fremdgebühr aufgelegt. So heißt es in der N26-FAQ:

Gemäß unserer Fair-Use-Richtlinien kannst du mit deiner N26 Mastercard kostenlos an jedem Bankautomaten Geld abheben.

Jedoch wurden wir darüber informiert, dass einige Geldautomaten anderer Banken in Spanien möglicherweise eine Gebühr von ca. 2 € für Kunden erheben, die ihr Konto in einem anderen Land eröffnet haben. Da wir derzeit nicht verhindern können, dass diese Gebühr weiterhin erhoben wird, erstatten wir dieses Geld für dich. Kontaktiere uns dazu einfach über Chat direkt aus deiner App. 

Quelle: N26 FAQ – Wo kann ich kostenlos Bargeld abheben?

Wer häufig in Spanien unterwegs ist, kann sich das vielleicht einmal genauer anschauen.

Interessant sind außerdem noch Kooperationen.

Manch eine Bank kooperiert im In- und Ausland mit anderen Banken oder hat Zweigstellen bzw. Tochterunternehmen, bei denen erst gar kein Kundenentgelt am Geldautomaten anfällt.

Hier macht es Sinn, sich bei der eigenen Bank zu informieren.

Fremdgebühr bei einem Geldautomaten im Ausland - hier Thailand

Bild: Tech Junkies / Patrick Woessner

Gebühren für Geldabhebungen im Inland und Ausland

Deutschland und EU

Auch in der EU gibt es immer häufiger Gebühren am Geldautomaten.

Zwar gilt eine EU-Richtlinie, die besagt, dass innerhalb vom SEPA-Raum ausländische Transaktionen wie inländische Transaktionen zu bepreisen sind (Verordnung (EG) Nr. 2560/2001).

Da viele EU-Banken inländische Gebühren für die Nutzung vom Geldautomaten vorsehen, schiebt das jedoch Fremdgebühren keinen Riegel vor.

Es gibt jedoch einige EU-Länder, in denen Fremdgebühren nicht üblich sind (Deutschland gehört übrigens nicht dazu). In dem Fall sollte man auch als Reisender davon verschont bleiben.

USA / Kanada

In den USA und Kanada wird an vielen Geldautomaten eine Geldautomatenbetreiber-Gebühr fällig.

Sowohl für USA und Kanada gilt: Es gibt auch eine Karten-Geldautomaten-Kombinationen, bei denen sich US$ bzw. C$ ohne Entgelt abheben lässt.

Üblich sind jedoch in den USA ca. 3-7 US$ Geldautomatenbetreiber-Gebühr und in Kanada ca. 1,50 – 3 C$ Geldautomatenbetreiber-Gebühr.

Man darf sich bei einer Reise nach Nordamerika also auf einen eventuellen ATM-Aufschlag einstellen.

Asien

In Asien wird es immer schwieriger, einen Geldautomaten ohne direktes Kundenentgelt zu finden.

In Thailand werden bspw. von praktisch jeder Bank 180-220 THB auf jede Abhebung aufgeschlagen. Je nach Wechselkurs sind das immerhin ca. 5,- € zusätzlich Gebühr je Abhebung.

Auch in anderen asiatischen Ländern sind Fremdgebühren üblich (u.a. Indonesien, Vietnam, Japan…).

Je nach Land in Asien finden sich jedoch einige Banken, an deren Geldautomaten es kostenlos Bargeld gibt (passende Reisekreditkarte ohne Gebühren seitens der eigenen Bank vorausgesetzt).

Australien / Neuseeland

Auch in Australien und Neuseeland findet an vielen Geldautomaten mit ausländischer Karte eine „Zwangsbeglückung“ mit Fremdgebühren statt.

Mit 2-3 AUD fallen die Gebühren in Australien jedoch vergleichsweise gering aus.

Südamerika / Mittelamerika

Banken in Südamerika und Mittelamerika haben die Geldautomatenbetreiber-Gebühr ebenfalls als zusätzliche Erlösquelle für sich entdeckt.

Vergleichsweise teuer ist z.B. Panama. Hier werden 9 US$ je Abhebung erhoben.

Es kann jedoch Sinn machen, ein wenig zu suchen und sich zu informieren. So findet sich eventuell doch noch ein Geldautomat ohne Gebühr.

Geldautomaten im Ausland - hier fällt besonders häufig eine zusätzliche Gebühr an

Bild: Tech Junkies / Patrick Woessner

Fremdgebühren im Alltag

Gebühren am Geldautomaten schwanken

Umgerechnet in Euro können sich Reisende darauf einstellen, dass Geldautomatenbetreiber je Abhebung im Ausland 1 – 8 € je Transaktion aufschlagen.

Es kommt immer darauf an – teilweise gibt es mit der passenden Karte (z.B. Kreditkarte wie Visa / MasterCard oder Maestro-Karte) auch im Ausland ohne Fremdgebühren Bargeld.

Auch die ausgebende Bank der jeweiligen Karte spielt eine Rolle.

In vielen Ländern werden außerdem nicht von jedem Geldautomatenbetreiber Gebühren erhoben. Clevere Reisende können sich umhören, an welchem Automaten keine Fremdgebühr berechnet wird.

Fremdgebühren besonders bei kleinen Abhebebeträgen ärgerlich

Üblicherweise werden Fremdgebühren am Geldautomaten pauschal je Transaktion erhoben.

Das bedeutet: Reisende, die häufig kleinere Beträge abheben, haben unterm Strich eine höhere Belastung durch die Gebühren die Geldautomatenbetreiber.

So kann Bargeld im Ausland teuer werden.

Clever ist es hier, mehrere kleinere Abhebungen zu einer großen Abhebung zusammenzufassen.

Geldautomatenbetreiber-Gebühr häufig im Ausland

Wer häufig im Nicht-EU-Ausland unterwegs ist, wird früher oder später fast unweigerlich das Vergnügen haben, den Bildschirm zur Bestätigung einer Geldautomatenbetreiber-Gebühr am ATM zu sehen.

Denn im Ausland wird eine solche Gebühr vergleichsweise häufig erhoben.

Und besonders im Ausland ist es ratsam, die Gebühren der eigenen Bank zu kennen. Sonst zahlt man am Ende doppelt: Gebühren für Auslandsabhebungen der Bank und Fremdgebühren des Automatenbetreibers.

Liste mit Geldautomaten ohne Gebühr (weltweit)

Wie sich im Ausland Geldautomaten-Gebühren vermeiden lassen, dazu findet man die besten Tipps in lokalen Blogs, Communities und Facebook-Gruppen, in denen sich Reisende und Expats tummeln.

Worauf ich ansonsten gerne einen Blick werfe, ist eine XLS-Liste, die von der Revolut Community gepflegt wird. Revolut ist ein britisches FinTech, was auch in Deutschland aktiv ist – die Geldautomaten-Tipps lassen sich jedoch auch mit Kreditkarten und Debit-Karten anderer Banken zu eigen machen.

Die aktuelle Version der XLS-Liste kann in einer Dropbox abgerufen werden.

Leider gab es zuletzt nur noch wenige Updates. Den Grund kann ich mir denken: Während der Coronavirus-Pandemie wird nicht mehr so viel gereist.

Fremdgebühren vermeiden – so klappt’s doch

Oftmals gibt es Tipps, wie sich Fremdgebühren am Geldautomaten doch noch vermeiden lassen.

Diese Tipps ändern sich jedoch häufig.

Banken, die lange Zeit keine Fremdgebühren verlangten, springen doch noch auf den Zug auf und erheben kurzfristig Fremdgebühren.

Die Überraschung kann potenziell jederzeit bei der nächsten Abhebung eintreten.

Früher gab es noch einen weiteren Weg, um Gebühren am Geldautomaten zu vermeiden.

Doch die meisten Banken, die auf Antrag eine Erstattung von Fremdgebühren anboten, haben diesen Service mittlerweile gestrichen.

Patrick Woessner

Ich bin Patrick und hier blogge ich zu verschiedenen Themen rund um Technik, Gadgets und mehr. Früher hatte ich gleich mehrere Blogs zu diesem Thema. Mittlerweile steht Tech Junkies im Mittelpunkt.

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