FYRST Geschäftskonto - Erfahrungsbericht
FinTech

FYRST – meine Erfahrungen mit dem Geschäftskonto der Digital-Bank

Bild: Tech Junkies / Patrick Woessner

Geschäftskonten galten als eine der letzten Bastionen, bei der sich „konservative“ Konten- und Gebührenmodelle lange hielten.

Anderswo mischten Direktbanken, Neo-Banken, Digital-Banken und andere Player längst den Markt auf.

Ein kostenloses Geschäftskonto jedoch? Lange Zeit kaum möglich.

Mittlerweile gibt es jedoch auch für Firmen- und Geschäftskunden die ein oder andere interessante Möglichkeit. Dazu gehört FYRST und das möchte ich hier vorstellen.

Es gibt zwei Kontoprodukte: FYRST Base (teils ohne monatliches Kontoführungsentgelt, je nach Rechtsform) und das Premium-Geschäftskonto FYRST Complete (mehr Inklusiv-Buchungsposten, zusätzliche Leistungen für 10,- € mtl. Entgelt).

FYRST ist ein Angebot der Deutsche Bank AG. Bereitgestellt wird das Geschäftskonto auf der Infrastruktur der Postbank, die mittlerweile als Niederlassung der Deutsche Bank AG firmiert.

Ich nutzte das Geschäftskonto von FYRST ab Oktober 2019 für circa ein Jahr für mein kleines Unternehmen und teile meine Erfahrungen hier.

Aktualisierung meines Erfahrungsberichts

Nachdem ich Kunde für das FYRST Geschäftskonto wurde, hat sich das ein oder andere geändert.

FYRST diente für gut ein Jahr als geschäftliches Konto für mein Einzelunternehmen und ich habe meine Erfahrungen mit der Zeit ergänzt:

  • Einführung eines mtl. Kontoführungsentgelts für Kapital- und Personengesellschaften (GmbH, GmbH & Co.KG, UG, KG, OHG, GbR) sowie eingetragene Kaufleute (e.K.) in dem Tarif FYRST Base
  • Weitere Konditionen-Änderung lt. PLV vom 01.07.2020
  • Erfahrungen mit der Nutzung von chipTAN ergänzt
  • Kontoeröffnung mittlerweile auch für juristische Personen möglich
  • Hinweise zur Kündigung von FYRST hinzugefügt

Sollte es in Zukunft weitere Änderungen bei FYRST geben, versuche ich diese baldmöglichst hier nachzureichen.

Preise und Kontomodelle

FYRST Base

Ich für meinen Teil entschied mich für FYRST Base, die Geschäftskonto-Variante ohne monatliches Kontoführungsentgelt (für Gewerbetreibende und Freiberufler).

Die Eckdaten sehen hier wie folgt aus:

  • deutsche IBAN
  • inkl. 50 beleglose Buchungsposten monatlich
  • inkl. girocard (mit V-Pay)
  • Online-Kontoauszug kostenfrei
  • Postbank Online-Banking mit FinTS / HBCI

Ein Kontoführungsentgelt fällt wie gesagt für Gewerbetreibende und Freiberufler nicht an.

Sofern man mit den inkludierten 50 Buchungsposten monatlich auskommt und keine weiteren, kostenpflichtigen Bankdienstleistungen nutzt, hat man effektiv ein kostenloses Geschäftskonto.

Für Personengesellschaften und Kapitalgesellschaften (GmbH, GmbH & Co.KG, UG, KG, OHG, GbR) sowie eingetragene Kaufleute (e.K.) fällt seit dem 01.07.2020 ein Kontoführungsentgelt in Höhe von 5,- € monatlich an.

Wer z.B. Bargeld einzahlt, Auslandszahlungsverkehr (Fremdwährungen und Nicht-SEPA) oder Firmenlastschriftmandate nutzt, zahlt weitere Gebühren laut Preis- und Leistungsverzeichnis.

Bestimmte Kleinunternehmer, Gründer, Freelancer dürften zu den Unternehmern gehören, die mit FYRST Base unterm Strich ein komplett kostenloses Geschäftskonto führen können.

Ich jedenfalls musste keinerlei Gebühren berappen 🙂

Entscheidend für die Gebührenfreiheit sind unter anderem die Rechtsform, eine geringe Anzahl an Buchungsposten und die genutzten Bankleistungen.

Vielnutzer schauen sich besser das Premium-Konto an.

FYRST Complete

FYRST Complete ist das Premium-Kontomodell mit 10,- € monatlichem Kontoführungsentgelt.

Hier findet keine Unterscheidung je nach Rechtsform statt.

Im Gegenzug gibt es natürlich einige Mehrleistungen:

Damit ist das Complete-Kontomodell vor allem für Vielnutzer interessant.

Einerseits gibt es zusätzliche 25 Inklusiv-Buchungsposten. Andererseits gewährt das Premium-Konto reduzierte Entgelte für zusätzliche Leistungen.

So kosten z.B. zusätzliche Buchungsposten 0,08 € statt 0,19 € bei FYRST Base.

Buchungsposten aus Echtzeitüberweisungen (SEPA-Instant) sind ebenfalls rabattiert und kosten 0,30 € statt 0,40 €.

Auch weitere Entgelte wie z.B. für den Auslandszahlungsverkehr (außerhalb des SEPA-Raums) sind teils reduziert.

Für mich mit meinem kleinen, nebenberuflichen Unternehmen hat sich das Premium-Kontomodell nicht gelohnt.

Geschäftsmodelle sind jedoch unterschiedlich.

Wer viele monatliche Buchungsposten generiert, dürfte mit dem Premium-Geschäftskonto besser aufgehoben sein.

Was mir bei beiden Kontomodellen (noch) fehlt

Was mich zunächst davon abhielt, mir FYRST genauer anzuschauen, ist die fehlende Möglichkeit, eine Kreditkarte oder Debit-Karte der beiden gängigen Schemes Visa oder Mastercard zu erhalten.

Ich bezahle auch geschäftlich relativ viel online.

Die FYRST Card (girocard mit V-Pay) hilft mir dabei nicht und die Zahlung per Lastschrift oder Rechnung wird nicht überall angeboten.

Ich habe es letztlich so gelöst, mir eine Mastercard bei einer anderen Bank zusätzlich für mein Unternehmen anzuschaffen.

Diese buchte dann per Lastschrift von meinem FYRST-Geschäftskonto ab.

Wie gut ein Geschäftskonto geeignet ist, hängt ansonsten stark vom Geschäftsmodell ab.

Für mein kleines, nebenberufliches Unternehmen war ich gut aufgestellt.

Und ich vermute, junge und kleine Unternehmen sind allgemein die Zielgruppe, die hier am ehesten einen guten Geschäftsbank-Partner finden.

FYRST Base hat mir alles geboten, was ich für mein Einzelunternehmen benötigte. Geschäftsmodelle und damit Anforderungen an das Geschäftskonto können jedoch sehr unterschiedlich ausfallen!

Kommentar von Patrick Woessner, Autor bei Tech Junkies

Eine Prüfung, welche Banking-Leistungen in welchem Umfang benötigt werden (und welche überhaupt nicht), dürfte deshalb für die Auswahl eines Geschäftskontos unterlässlich sein.

Überweisung im FYRST Online-Banking anlegen

Bild: Tech Junkies / Patrick Woessner

Wissenswertes zum FYRST-Geschäftskonto

FYRST Bank (die eigentlich gar keine Bank ist)

FYRST stellt sich als Digitalbank vor.

Durchaus Wissenswert vor der Kontoeröffnung könnte sein, dass es die FYRST Bank im eigentlichen Sinne gar nicht gibt.

Ein Blick in das Impressum offenbart:

FYRST – ein Angebot der Deutsche Bank AG

Quelle: Impressum von FYRST

FYRST ist als Marke für den Vertrieb digitaler Geschäftskonten geschaffen worden. Dahinter steht jedoch die Deutsche Bank.

Technisch bereitgestellt wird das Geschäftskonto auf der Infrastruktur der Postbank (gilt z.B. für das Online-Banking, siehe unten).

In diesem Jahr fand die Verschmelzung der DB Privat- und Firmenkundenbank AG und der Deutsche Bank AG statt, wodurch die Deutsche Bank ihre Kunden nun mit Deutsche Bank, Postbank und weiteren Marken betreut.

Dazu gehört auch FYRST.

Eine FYRST Bank im engeren Sinne gibt es also nicht. Es handelt sich um ein Angebot der Deutsche Bank AG.

Das wird auch deutlich, wenn man einen Blick auf den BIC (Bank Identifier Code) wirft:

BIC von FYRST – PBNKDEFF

Quelle: FYRST FAQ

Schlüsselt man den BIC auf, ist ersichtlich, dass das Konto bei der Postbank („PBNK“) in Deutschland („DE“) geführt wird. Der BIC gehört zur Niederlassung Frankfurt am Main („FF“).

So führt es auch die Postbank auf ihrer Webseite aus.

Erlaubte Rechtsformen bei FYRST

Sowohl natürliche Personen wie auch juristische Personen können ein Geschäftskonto bei FYRST eröffnen.

Laut FAQ sind derzeit möglich:

  • Gewerbetreibende 
  • Freiberufler
  • Unternehmergesellschaften (UG)
  • Gesellschaften mit beschränkter Haftung (GmbH)
  • Gesellschaften bürgerlichen Rechts (GbR)
  • GmbH & Co. KG
  • Offene Handelsgesellschaften (OHG)
  • Kommanditgesellschaften (KG)

Als ich mein Konto eröffnete, waren nur natürliche Personen möglich.

Nun können auch Personengesellschaften (GbR, OHG, KG) sowie Kapitalgesellschaften (UG, GmbH) ein Geschäftskonto eröffnen.

„Beyond Banking“ – bitte was?

Sowohl die Deutsche Bank wie auch die Postbank bieten bereits Geschäftskonten unter der jeweils eigenen Marke an.

Mit FYRST als Digital-Bank-Ableger will man vermehrt Kleinunternehmen ansprechen, die einfache Geschäftskonten zu günstigen Konditionen nachfragen.

Das Banken-Marketing hat sich wohl überlegt, wie man das der Zielgruppe noch etwas schmackhafter machen kann.

Zur Markteinführung war häufig vom „Beyond Banking“-Konzept zu lesen.

Hierunter versteht die Digital-Bank laut FAQ folgendes:

Beyond Banking beschreibt jene Bereiche, die nicht im klassischen Bankgeschäft liegen, sondern darüber hinaus (‚beyond‘) gehen. Mit diesen Funktionen, die unser innovatives Banking ergänzen, bieten wir unseren Kunden ein ganzheitliches Ökosystem für ihr Unternehmen. Mit unseren Beyond Banking Funktionen, welche eng mit dem Banking Bereich verzahnt sind, treffen wir auf die sich ständig wechselnden Bedarfe unserer Kunden.

Quelle: FYRST-FAQ

Damit dürfte das FYRST-Auftragsmanagement (inklusive bei FYRST Complete) sowie die Kooperationen mit sevDesk (Buchhaltungssoftware, siehe nächster Abschnitt) und Bibby Financial Services (Factoring) gemeint sein.

Ich für meinen Teil benötigte nur das Banking 😛

FYRST und der Steuerberater

Der überwiegende Teil der Selbständigen und Unternehmer wird für Buchhaltungs- und Steuerangelegenheiten ein Steuerbüro beauftragen.

Damit der Steuerberater die Buchhaltung erledigen bzw. überprüfen kann, benötigt dieser Zugriff auf die Kontoumsätze.

Im schlechtesten Fall schickt man dazu monatlich den klassischen Kontoauszug an den Steuerberater.

Dadurch entsteht im Steuerbüro hoher manueller Aufwand und den wird der Steuerberater letztendlich in Rechnung stellen.

Empfehlenswert ist deshalb die elektronische Übergabe der Kontoumsätze.

Steuerberater nutzen DATEV Rechnungswesen und können die Kontoumsätze auf mehreren Wegen elektronisch einlesen.

Die verschiedenen Möglichkeiten stimmt man am besten mit dem Steuerberater ab.

Grundsätzlich denkbar sind z.B.:

  • EBICS
  • RZ-Bankinfo
  • finAPI (XS2A / PSD2 bzw. HBCI PIN/TAN)
  • MT940-Export (.STA)
  • CSV oder sonstige Importdatei

Vor der Einführung von PSD2 war es noch einfacher.

Bei den meisten Geschäftskonten konnte entweder per EBICS oder FinTS / HBCI ein Kontenabruf für den Steuerberater eingerichtet werden.

Auch bei FYRST ist FinTS / HBCI verfügbar, jedoch ist die Einrichtung nach PSD2 (PIN/TAN) eben schwieriger geworden.

Interessant ist vielleicht, dass FYRST eine weitere Möglichkeit anbietet, um mit dem Steuerberater zusammenzuarbeiten.

Es besteht eine Kooperation mit dem Buchhaltungsprogramm sevDesk.

Während sevDesk grundsätzlich jedem Unternehmer offen steht, bekommen FYRST-Kunden derzeit 25% Rabatt auf die monatliche sevDesk-Gebühr im ersten Jahr..

sevDesk verfügt wiederum um die Möglichkeit, einen DATEV-Export an den Steuerberater zu übermitteln.

Ich für meinen Teil habe sevDesk nicht genutzt.

Jedoch hat sich eine andere Möglichkeit gefunden, um die Kontoumsätze des FYRST-Geschäftskontos elektronisch an den Steuerberater zu übermitteln 🙂

Konto eröffnen – schnell und einfach

Zumindest für natürliche Personen läuft die Kontoeröffnung komplett online.

Folgende Erfahrungen machte ich dabei:

  • Antrag Kontoeröffnung auf der FYRST-Webseite ausgefüllt
  • Legitimation direkt im Anschluss per Video-Ident (via POSTIDENT)
  • Schufa-Abfrage (und Schufa-Eintrag, dazu gleich mehr)
  • Kontoeröffnung und Login-Daten am Folgetag
  • FYRST Card und weitere Unterlagen in den kommenden Tagen per Post

Für juristische Personen ist es etwas aufwendiger – je nach Rechtsform müssen Gründungsurkunde bzw. Handelsregisterauszug oder Gesellschaftsvertrag eingereicht werden.

Aus meiner Sicht lief die Kontoeröffnung völlig reibungslos ab.

Schufa – Abfrage und Eintrag

Was mich nach dem Abschluss meines FYRST-Geschäftskonto wunderte: In Meine Schufa tauchte sowohl eine Abfrage wie auch ein Eintrag des Kontos auf.

Und das im privaten Bereich des Schufa-Datensatzes neben z.B. meinem privaten Girokonto und meiner privaten Kreditkarte.

Das ist für geschäftliche Konten eigentlich nicht üblich.

Ich habe das daraufhin bei der Schufa reklamiert, woraufhin mein Schufa-Datensatz wie folgt angepasst wurde:

  • Schufa-Eintrag (störungsfreie Vertragsdaten) „Girokonto“ für FYRST-Konto wurde komplett entfernt.
  • Schufa-Abfrage „Anfrage zum Girokonto“ wurde geändert zu „Anfrage zur Bonitätsprüfung vor Eröffnung eines geschäftlichen Girokontos (für Selbständige und Kleingewerbetreibende)“.

Damit ist das FYRST-Konto bei mir nicht mehr im Schufa-Datensatz eingetragen.

Außerdem wurde die Abfrage bei Eröffnung vom privaten in den geschäftlichen Bereich des Schufa-Datensatzes verschoben.

Eine Anfrage zur Bonitätsprüfung ist etwas anderes als ein Eintrag.

  • Ein Schufa-Eintrag (störungsfreie Vertragsdaten) wird gespeichert, so lange die Geschäftsbeziehung besteht.
  • Eine Schufa-Anfrage hingegen wird nach 12 Monate Aufbewahrungsfrist automatisch gelöscht.

Das kann man sich ganz offiziell auf der Schufa-Webseite durchlesen.

Ob FYRST bei der Kontoeröffnung immer so verfährt, ist mir nicht bekannt.

Ich habe es in dieser Form jedenfalls für nicht korrekt gehalten und den Schufa-Datensatz entsprechend korrigieren lassen.

Login zum Online-Banking via FYRST oder Postbank

Für das Login im Online-Banking wird eine Postbank-ID vergeben.

Man kann anschließend entscheiden, ob man das Online-Banking auf der FYRST-Webseite oder auf der Postbank-Webseite nutzt.

Ein Login ist auf beiden Webseiten möglich.

Technisch nutzt FYRST das Online-Banking der Postbank.

Bis auf das Branding (FYRST-Logo und Corporate-Design) macht es keinen Unterschied, wo man sich letztlich einloggt.

Es stehen auf beiden Webseiten die gleichen Online-Banking-Funktionen zur Verfügung.

Ein Freund von mir, der sowohl privates Girokonto wie auch FYRST-Geschäftskonto nutzt, hat mir außerdem berichtet, dass beide Konten bei ihm unter der gleichen Postbank-ID zusammengefasst werden.

Auch bei der Nutzung der mobilen Banking-Apps hat man die Qual der Wahl.

Es gibt zwar jeweils eine FYRST-App für Android und iPhone.

Alternativ kann man auch die Postbank-App „Postbank Finanzassistent“ nutzen.

Es stehen mehrere TAN-Verfahren zur Auswahl.

Als mobiles TAN-Verfahren nutzt man BestSign entweder über die separate BestSign-App oder direkt integriert in die Banking-App.

Ich persönlich bin kein großer Freund der TAN-Generator-Apps.

Insbesondere gilt das dann, wenn man TAN-Generator-App und Banking-App auf dem gleichen mobilen Endgerät betreibt.

Ein echter zweiter Faktor ist das dann nicht mehr.

Das ist aber ein generelles Thema. Viele Banken bieten es so an.

Ich habe für mein FYRST-Konto jedenfalls chipTAN eingerichtet, was als alternatives TAN-Verfahren ebenfalls angeboten wird.

In diesem Fall benötigt man einen TAN-Generator (ca. 15,- €) und die FYRST Card.

Hier nutze ich den REINERSCT tanJack optic CX, der sich problemlos bei FYRST als TAN-Generator einrichten ließ.

Ansonsten sollte es aber prinzipiell jeder optische TAN-Generator tun.

Auf der Postbank-Webseite gibt es einige weitere Empfehlungen für TAN-Generatoren.

Da FYRST das Online-Banking der Postbank nutzt, kann man in dem Fall auf die Informationen der Postbank zu chipTAN zurückgreifen.

FYRST Card (girocard) mit TAN-Generator

Bild: Tech Junkies / Patrick Woessner

FYRST kündigen

Früher oder später kann auch das ein Thema werden – FYRST kündigen.

So war es in meinem Fall – ich habe das Geschäftskonto schlicht nicht mehr benötigt und folglich die Kündigung ausgesprochen.

Bzgl. der Modalitäten zur Kündigungen informierte ich mich auf der Webseite:

Um ein Konto aufzulösen, benötigen wir die Unterschrift aller Kontoinhaber.

Bitte senden Sie uns daher einen Brief an:
FYRST Dortmund
Hiltropwall 4-12
44137 Dortmund

Quelle: FYRST-FAQ

Das hätte meinen positiven Erfahrungen mit dem FYRST Geschäftskonto zum Abschluss fast einen Dämpfer verpasst.

Digital-Bank und dann Kündigung ausschließlich per Brief? Das passt in meinen Augen nun wirklich nicht zusammen.

Ich habe mich deshalb zu einem Selbstversuch entschieden 🙂

Es besteht die Möglichkeit, über das Online-Banking eine Nachricht an die Bank zu senden, bei der man auch PDF-Dokumente anhängen kann.

Vorteil bei einer solchen Nachricht: Diese wird per TAN bestätigt.

FYRST stellt ein Formular zur Kündigung (Stichwort: „Auflösung eines FYRST Girokontos“) als PDF-Dokument bereit.

Dieses habe ich ausgefüllt, unterschrieben, eingescannt und anschließend per Mitteilung im Online-Banking bestätigt durch eine TAN übermittelt.

Und siehe da – am Folgetag kam die Bestätigung per E-Mail, dass der Auftrag zur Kündigung bzw. Kontoschließung in Kürze ausgeführt wird.

Nochmal drei Tage später war das Konto geschlossen und Restsaldo ging als Überweisung auf dem angegebenen Konto ein.

FYRST kündigen – auf Wunsch geht es auch das digital 🙂

Der Abschlusskontoauszug, den man erhält, dient zugleich als Kündigungsbestätigung des Geschäftskontos.

Meine Erfahrungen mit FYRST

Ich habe FYRST für circa ein Jahr genutzt und bin zufrieden mit den gesammelten Erfahrungen.

Dazu muss ich jedoch sagen, dass ich ein „pflegeleichter“ Geschäftskonto-Kunde war, denn ich nutzte ausschließlich:

  • überschaubare Anzahl an eingehenden SEPA-Überweisungen (für Ausgangsrechnungen) und ausgehenden SEPA-Überweisungen (für Eingangsrechnungen)
  • keinerlei Bargeld-Transaktionen (weder Abhebungen noch Einzahlungen)
  • keine Nicht-SEPA-Auslandsüberweisungen (eingehend oder ausgehend)
  • keine Firmen-Lastschriftmandate
  • … auch sonst keine „fortgeschrittenen“ Bankdienstleistungen

Mit meinen bescheidenen Anforderungen würde ich damit bei fast jeder Bank glücklich werden.

So einfach ist es dann aber auch nicht.

Bei meinem früheren Geschäftskonto habe ich mich gelegentlich geärgert.

Das Konto war nicht wirklich zuverlässig (z.B. immer wieder Online-Banking-Störungen), eine FinTS / HBCI-Schnittstelle fehlte mir und zuletzt änderten sich die Konditionen häufig.

Junge FinTech-Anbieter und kleine Direktbanken neigen meiner Erfahrung nach häufiger dazu, Produkte und Konditionen zu ändern (zum Vorteil oder zum Nachteil).

Wegen dieser Erfahrungen wollte ich zu einer größeren Bank wechseln.

Zu diesem Zeitpunkt startete FYRST.

Zudem gab es hier FYRST Base, welches (bei meinem Nutzungsverhalten) ein komplett kostenloses Geschäftskonto für mich darstellte.

50 Buchungsposten monatlich waren mir voll und ganz ausreichend.

Den Kundenservice habe ich bislang zweinmal per E-Mail kontaktiert:

  1. Meine girocard ging zunächst auf dem Postweg verloren und hierzu erhielt innerhalb von gut einem Tag eine Antwort mit guter Hilfestellung per E-Mail.
  2. Nach der Kündigung habe ich den Abschlusskontoauszug zusätzlich digital angefordert. Das war ebenfalls innerhalb eines Tages erledigt.

Hinter FYRST steht die Deutsche Bank bzw. die Postbank, die seit Jahrzehnten im Firmen- und Geschäftskunden-Banking tätigt sind.

Dementsprechend gibt es auch eine deutsche IBAN.

Das ist nicht so selbstverständlich, wie man vielleicht denken möchte. Der ein oder andere FinTech-Anbieter, der auch auf dem deutschen Markt Geschäftskonten anbietet, stellt keine deutsche IBAN zur Verfügung.

Zwar ist IBAN-Diskriminierung im Einheitlichen Europäischen Zahlungsraum untersagt.

Aus anderen Gründen dürften deutsche Unternehmer jedoch dennoch in vielen Fällen eine deutsche IBAN bevorzugen.

Wer wie ich vergleichsweise einfache Anforderungen an ein Geschäftskonto hat, dürfte bei FYRST eine einfache, kostengünstige bzw. sogar kostenlose Lösung finden.

Größere Unternehmen mit komplexen Geschäftsprozessen nehmen die Digital-Bank vermutlich nicht in die engere Auswahl.

Aber das ist ja auch in Ordnung so, denn die Bank stellt sich selbst so vor:

FYRST ist die digitale Bank für alle Gründer, Selbstständige und Freiberufler mit preiswerten Bankleistungen, einem umfassenden digitalen Leistungsangebot und innovativen Business-Lösungen.

Quelle: FYRST-Webseite

Man legt bei der Bank also ganz offiziell den Schwerpunkt auf kleine Unternehmen.

Und allen kann man es bekanntlich auch nicht Recht machen 🙂

Die Deutsche Bank bzw. die Postbank dürfte FYRST dabei als Gegengewicht zu FinTech-Alternativen im Business-Banking-Bereich platziert haben.

Dort sind z.B. Penta, Kontist, Holvi und N26 Business zu nennen.

Diese Anbieter fokussieren sich mit günstigen oder kostenlosen Geschäftskonto-Lösungen gezielt auf die Zielgruppe kleiner Unternehmen wie Solo-Selbständige, Freelancer, Gründer, nebenberuflich Selbständige oder Kleinunternehmer.

Künftig dürfte hier eher noch mehr Wettbewerb folgen.

Bereits veröffentlicht habe ich einen Erfahrungsbericht zum „Sustainable-Banking“-Startup Tomorrow, deren Konto ich als (privates) Haushaltskonto nutzen.

Und Tomorrow hat bereits angekündigt, ebenfalls bald mit einem Freelancer-Konto an den Start gehen zu wollen.

Das ist gut für Solo-Selbständige und kleine Unternehmen.

Denn Wettbewerb belebt bekanntlich das Geschäft 🙂

Zu hoffen bleibt jedoch, dass die günstigen oder sogar kostenlosen Geschäftskonten dauerhaft auf dem Markt bleiben – egal ob es von einem FinTech, einer Digital-Bank oder einer Direktbank angeboten wird.

Das geht vermutlich auf Dauer nur, wenn Geschäftskunden entweder zusätzliche Banking-Leistungen nutzen oder in ein Premium-Kontomodell wechseln.

Patrick Woessner

Ich bin Patrick und hier blogge ich zu verschiedenen Themen rund um Technik, Gadgets und mehr. Früher hatte ich gleich mehrere Blogs zu diesem Thema. Mittlerweile steht Tech Junkies im Mittelpunkt.

Diskussion - 4 Kommentare
  • Reinhard Lilienbecker sagt:

    Hallo Patrick, du weißt sicher, dass man im Netz viele, zum Teil shitstorm-ähnliche, massive Kritiken z.B. an PENTA finden kann. Zum Teil behaupten dort PENTA-Kunden, die guten Bewertungen seien „gekauft“. Hast du Erfahrungen auch mit PENTA, die ja mit der solaris-Bank arbeiten oder kannst du Kritiken bestätigen? Du hast ja vermutlich mehrere FinTecs getestet und nicht nur FYRST!?

    • Hallo Reinhard,

      da bin ich überfragt.

      PENTA kenne ich zwar, aber nicht aus eigener Erfahrung. Viele oder gar jedes Geschäftskonto vorzustellen, würde meine bescheidenen Ressourcen sprengen und ich habe den Anspruch, nur über FinTech-Anbieter zu schreiben, die ich selbst ausführlich ausprobiert habe bzw. nutze.

      Und bei FYRST liegt tatsächlich mein Geschäftskonto 🙂

      Ich habe PENTA am Ende als eine mögliche FYRST-Alternative genannt, denn kostenlose bzw. kostengünstiger FinTech-Alternativen für das klassische Geschäftskonto kann man ja nach wie vor an einer Hand abzählen.

      Worüber ich hier jedoch auch schon schrieb ist Tomorrow. Das ist ein weiteres FinTech, welches auf die Infrastruktur der solarisBank zurückgreift – dieses aber als privates Girokonto.

      Viele Grüße,
      Patrick

  • Kai Bergstein sagt:

    Hallo Patrick,

    vielen Dank für deinen Bericht! Beachtenswert finde ich die Zeilen rund um die Schufa-Anfrage. Du schreibst, du hättest diese reklamiert. Wie kann denn eine solche Reklamation aussehen? Habe dazu keine Erfahrung und kann mir das weder inhaltlich vorstellen noch, ob das überhaupt eine wirklich wichtige Sache ist.

    Vielen Dank!
    Kai

    • Hallo Kai,

      in einer „Schufa-Karriere“ kann es immer mal wieder zu Unstimmigkeiten (z.B. Eintrag zu bereits gekündigter Kreditkarte wird nicht entfernt – aber auch andersherum – die Hausbank „vergisst“ das Girokonto einzutragen) kommen. So meine Erfahrung. Um das zu überprüfen, braucht man entweder einen Zugang zu meineSCHUFA oder man fordert eine DSGVO-Datenkopie an.

      Wenn etwas nicht stimmt (meiner Meinung nach), schreibe ich entweder eine E-Mail an die Adresse im Impressum auf der Schufa-Webseite oder ein Fax. Alternativ geht es auch ganz klassisch auf dem Postweg. Die Schufa hält Rücksprache mit dem Vertragspartner und prüft das. Eine Antwort erhalte ich meist innerhalb von 7 – 14 Tagen.

      Ein Problem ist der Eintrag zu einem Konto eigentlich nicht. Ich beobachte und „pflege“ meinen Schufa-Datensatz aber ein wenig.

      Häufig wird auch vermutet, dass viele eingetragene Konten / Karten sich eher negativ auf den Schufa-Score auswirken (insbesondere wenn kurze Geschäftsbeziehungen dabei sind). Ob ein geringer Score in der Praxis Nachteile nach sich ziehen würde, ist dann nochmal eine andere Frage. Es kann aber sein, dass Schufa-Vertragspartner bei geringem Score z.B. keine Vertragsbeziehung eingehen wollen (z.B. Abschluss neuer Kreditkarte aber auch Mobilfunkvertrag) oder z.B. nur ein geringes Limit gewähren.

      Ich schaue vielleicht einmal im Jahr bei der Schufa rein. Wenn ich etwas sehe, was in meinen Augen unstimmig ist, melde ich das. Es geht mir auch darum, dass nur aktuelle und richtige Daten über mich gespeichert sind (Stichwort: Datensparsamkeit).

      In den meisten Fällen, so denke ich, muss man sich darüber aber keine Gedanken machen.

      Ob FYRST für das Geschäftskonto bei persönlichen Kontoinhabern (z.B. Einzelunternehmer) grundsätzlich einen Eintrag in der Schufa vornimmt oder ob ich da ein Einzelfall war, kann ich nicht sagen.

      Viele Grüße,
      Patrick

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